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Die Anforderungen an Betreuer/innen sind in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen. Einige Gründe: Zusammenbrechende Sozialsysteme, Klient/innen mit zunehmend komplexen Problemlagen und multiplen Krankheitsbildern, hohe Vorgaben durch die UN-Behindertenrechtskonvention oder Einsparungen in der Versorgungslandschaft.
Die Situation: Betreuer/innen haben zu wenig Zeit für ihre Klient/innen und erzielen für ihre verantwortungsvolle Arbeit zu wenig Einkommen. Es droht die Gefahr, dass die notwendige Betreuungsqualität nicht weiter erbracht werden kann. Berufsbetreuer/innen und ihre Klient/innen leiden unter diesen Bedingungen.
Die aktuelle BdB-Kampagne „Dialog-Tour 2012: Betreuung 20+“ hat ihren Höhepunkt im August und September: Dann tourt sie mit politischen Diskussionsveranstaltungen durch alle Landeshauptstädte. Bis dahin werden
bundesweit unzählige Berufsbetreuer/innen Gespräche mit ihren Land- und Bundestagsabgeordneten geführt haben, um für ihre berufliche Zukunft zu kämpfen. Denn: Betreuung braucht bessere Bedingungen. Die Politik muss endlich handeln und darf ihre Augen nicht länger verschließen: Die Betreuungspraxis ist mit Problemen konfrontiert, die endlich gelöst werden müssen.
Mit seiner Kampagne „Dialog-Tour 2012: Betreuung 20+“ will der BdB auf die anhaltende Misere im Betreuungswesen aufmerksam machen. Wir laden alle Interessierten ein, mit uns zu diskutieren und freuen uns über Bündnispartner/innen, die mit uns ihre Stimme erheben.Bereits heute nehmen 1,3 Millionen Menschen in Deutschland eine Betreuung in Anspruch. Tendenz steigend. Diesen Menschen gegenüber haben wir eine Verpflichtung. Wir wollen diese Menschen professionell unterstützen, um ihnen die Teilhabe an der Gemeinschaft zu ermöglichen.
Dafür treten wir an. Und dafür stellen wir Forderungen.
1. Wir brauchen mehr Zeit für unsere Klient/innen!
Die derzeit gesetzlich festgelegten Stundenkontingente verhindern einen intensiven Kontakt mit Klient/innen. Für die Betreuung eines Klienten stehen im Durchschnitt 3,2 Stunden pro Monat zur Verfügung. Nur diese Zeit wird Betreuer/innen auch vergütet. Real nimmt die Betreuung eines Klienten allerdings fünf Stunden im Monat in Anspruch. Diese Lücke muss geschlossen, die Stundenansätze müssen angepasst werden! Auch Betroffene klagen an, dass Betreuer/innen zu wenig Zeit haben und der persönliche Kontakt im Zweifel zu kurz kommt.
Wir fordern: Die Zeitansätze pro Fall müssen erhöht werden. Im Sinne der Betroffenen und im Sinne einer professionellen, qualitätsbezogenen Betreuungsarbeit.
2. Angemessene Vergütung für professionelle Arbeit
Aufgrund der zu geringen Stundenansätze und den niedrigen Vergütungspauschalen kommen Betreuer/innen wirtschaftlich an ihre Grenzen. Es droht die Gefahr, dass eine professionelle Betreuungsarbeit nicht weiter erbracht werden kann. Neben den Stundenansätzen muss die Vergütung für Betreuer/innen in einem ersten Schritt angepasst und in einem zweiten Schritt erhöht werden. Denn: Betreuer/innen müssen von ihrem Beruf leben können. Nur wenn ihre eigene wirtschaftliche Existenz gesichert ist, können sie sich auf die Unterstützung und Begleitung von anderen Menschen konzentrieren.
Wir fordern: Die Vergütung muss sofort an die gestiegenen Lebenshaltungskosten angepasst werden (50 Euro) und längerfristig auf 70 Euro erhöht werden.
3. Schluss mit den Ungerechtigkeiten
Die Vergütungspauschale enthält die Mehrwertsteuer und eine Verwaltungspauschale. 2007 wurde die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent erhöht, eine Anpassung der Pauschalen erfolgte aber nicht. Zudem wurden die Pauschalen seit ihrer Einführung im Jahr 2005 nicht erhöht.
Wir fordern: Die Vergütungspauschalen dürfen keine Mehrwertsteuer enthalten und müssen dynamisiert werden.