Bericht der Nassauischen Neuen Presse

BdB-Länderrat tagt in Limburg

Von Kerstin Kaminsky
20.02.2016
  • Hessens Justizstaatssekretär Thomas Metz (M.), mit dem BdB-Vorstandsvorsitzenden Thorsten Becker (l.) und Landesgruppensprecher Harald Kalteier

    Gastredner beim BdB-Länderrat: Hessens Justizstaatssekretär Thomas Metz (M.), mit dem BdB-Vorstandsvorsitzenden Thorsten Becker (l.) und Landesgruppensprecher Harald Kalteier – Foto: Kerstin Kaminsky

Betreuung braucht mehr Zeit und Geld!

Der Berufsstand „Betreuung″ fordert bessere Rahmenbedingungen für eine qualifizierte Ausübung des Berufes.

Zum zweiten Länderrat des BdB in Hessen trafen sich Vertreter aller 16 Landesverbände in Limburg, um fachliche und wirtschaftliche Interessen zu diskutieren. Gastredner Thomas Metz, Staatssekretär des Hessischen Justizministeriums, unterstrich die Bedeutung der qualifizierten beruflichen Betreuung.

Limburg, 20.02.2016. Die Perspektiven für eine langristig erfolgreiche Arbeit der Berufsbetreuer verschärfen sich, so Thorsten Becker , Vorstandsvorsitzender des BdB (Bundesverband der Berufsbetreuer/innen). Den steigenden fachlichen Anforderungen und dem hohen zeitlichen Aufwand – auch durch vermehrte Verwaltungsaufgaben – würde die Entlohnung nicht gerecht. Immer mehr Kollegen sehen sich aufgrund der finanziellen Lage gezwungen, ihren Beruf aufzugeben, und qualifizierter Nachwuchs fehle, kritisierte Becker. Aber es würden sich qualitative und quantitative Verbesserungen abzeichnen und er sehe seitens der Politik einen bisher nicht gekannten Willen auf Veränderungen, um eine flächendeckende Betreuung von Menschen in besonderen Situationen sicherzustellen. Denkbar und sinnvoll, so Becker, wäre die Einrichtung einer eigenen Kammer als Standesvertretung der Betreuungsberufe.

Staatssekretär Thomas Metz berichtete, dass in Hessen rund 95.000 Menschen unter Betreuung ständen und es drei Säulen der Betreuung gäbe: die Berufliche, die Ehrenamtliche und die Selbstbestimmte im Sinne einer Vorsorgevollmacht. Es stehe außer Frage, dass es für die Arbeit der Betreuer einheitliche Qualitätsnormen und angemessene Vergütungsstrukturen geben sollte. Metz erwartet, dass die voraussichtlich im November 2016 vorliegenden Ergebnisse einer vom Bundesministerium der Justiz aufgelegten Studie die Grundlage für entsprechende Entscheidungen bilden werden.

Bundesvorstand Hans-Josef Göers sieht auch in der Integrationspolitik neue Herausforderungen für die Berufsbetreuer. Er befürchtet durch die Flüchtlinge eine Welle von besonderer Problematik auf die Betreuung zukommen, bei der dringend Dolmetscher benötigt werden. Die Politik müsse die Not erkennen und  Voraussetzungen dafür schaffen, dass Dolmetscher als Sachleistung bei den Justizkassen abgerechnet werden können und nicht vom Stundensatz der Berufsbetreuer bezahlt werden. Schon jetzt seien tarifgebundene Mitarbeiter in den Betreuungsvereinen nicht mehr bezahlbar und Insolvenzen drohen.

Die Arbeit des Berufsbetreuers

Berufsbetreuer übernehmen in unserer Gesellschaft eine verantwortungsvolle Aufgabe: Sie unterstützen und beraten volljährige Menschen, die im Leben nicht ohne Unterstützung zurechtkommen. Diese Menschen sind psychisch krank, körperlich oder geistig behindert und in ihrer Entscheidungs- oder Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Sie können nicht selbst für ihre Angelegenheiten sorgen. Deshalb wird ihnen vom Gericht ein Betreuer zur Seite gestellt. Er unterstützt die betroffenen Menschen rechtlich oder handelt stellvertretend für sie, zum Beispiel durch Regelung der Finanzen oder Einwilligung in ärztliche Behandlungen. Becker betonte: „Ziel der Betreuung ist immer eine Fortschreibung des persönlichen Lebensentwurfs der betreuten Menschen ohne Willkür des Betreuers“.