Regionaltreffen

Diskussion zur Reform beim ersten Regionaltreffen Schleswig-Holstein

22.10.2020
  • Regionaltreffen unter strengen Pandemie-Regeln im Wissenschaftszentrum Kiel

    Regionaltreffen unter strengen Pandemie-Regeln im Wissenschaftszentrum Kiel

Kiel – Die Festschreibung eines Zulassungs- und Registrierungsverfahrens im neuen Gesetz zur Betreuungsreform komme der Anerkennung des Berufes Betreuung gleich. Dies sagte der im Landesjustizministerium für Betreuungsrecht zuständige Referent Dr. Philipp Kersting beim ersten Regionaltreffen der Landesgruppe Schleswig-Holstein. In der kontroversen Podiumsdiskussion sprachen Kersting, Sabine Schindler (Sprecherin der Landesgruppe Schleswig-Holstein) und der stellvertretende BdB-Vorsitzender Hennes Göers insbesondere über vier Aspekte der Betreuungsreform: die Stärkung der Selbstbestimmung der Klient*innen, der damit verbundene Mehraufwand für Betreuer*innen, das Zulassungs- und Registrierungsverfahren sowie das Zusammenspiel von Ehrenamt und Profession.

Trennungslinien zwischen Justiz und Verband wurden vor allem in der Frage der Qualifizierung deutlich. „Wer eine Betreuung in Anspruch nimmt, muss sicher sein können, dass diese von hoher Qualität ist. Unserer Meinung nach ist für unsere anspruchsvolle und komplexe Tätigkeit ein Studium Voraussetzung. Aber dies ist momentan politisch nicht durchsetzbar“, so Hennes Göers zu den in Gesetz formulierten „persönlichen und fachlichen Voraussetzungen“. Kersting konterte: „Sie haben doch viel erreicht. Sie brauchen als Berufsbetreuer zukünftig eine Registrierung, Berufsbetreuer kann also nicht mehr jeder werden.“ Auf die Frage, ob Betreuung dann anerkannter Beruf sei, antwortet Kersting: „Das wird dann wohl so sein.“ Bei allen diskutierten Inhalten schwang auch ein wenig Unsicherheit mit: Wird das neue Gesetz kommen? Sowohl Göers als auch Kersting sprachen von „möglichen Stolpersteinen“. Bis zur endgültigen Abstimmung im Bundestag sei es noch ein langer Weg.

Die Regionalveranstaltung mit begrenzter Teilnehmerzahl hat sich als gutes Modell für ähnliche Veranstaltungen in diesen Zeiten erwiesen. Landessprecherin und Veranstalterin Sabine Schindler war zufrieden mit der gut besuchten Veranstaltung: „Wir werden die Regionaltreffen auf jeden Fall fortsetzen.“ „Ein sehr gelungenes Format“, attestierte auch BdB-Geschäftsführer Dr. Harald Freter, der als Gast unter den rund 30 Teilnehmer*innen im Plenum saß. Erfreut war er auch über die Feststellung von Referent Dr. Kersting, dass der BdB die Justizministerien der Länder "unheimlich genervt" habe. „Ein Ritterschlag für unsere Lobbyarbeit“, so Dr. Harald Freter.